BGJ Schüler Praktikum in den Niederlanden Drucken E-Mail

Nach einigen Jahren der Abstinenz, bedingt durch die Tierseuchenproblematik in Europa ist es uns endlich wieder gelungen einige Schüler für ein Praktikum in die Niederländer zu vermitteln.
Als Partner der LVA-Echem konnten in diesem Frühjahr elf Schüler aus dem BGJ-Agrar der Georgsanstalt am bilateralen Austausch Niederlande Deutschland (BAND) teilnehmen. Dieser Austausch wurde von den Bildungsministerien beider Länder und vom Landvolkverband Uelzen unterstützt.


Vorbereitungsseminar in Goslar
Zunächst besuchten die Schüler im Januar ein Vorbereitungsseminar im Zeppelinhaus in Goslar: Niederländische Geschichte, Deutsch-Niederländische Beziehungen, Niederländisch-Deutsche Agrarwirtschaft im Vergleich und Niederländische Sprachkenntnisse erwerben stand auf dem Programm. Der Austausch sollte fünf Wochen dauern und umfasst eine Woche gemeinsame Exkursion und vier Wochen leben und arbeiten auf einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Die Exkursion führte zunächst in die Nähe von Leeuwarden.

Betriebsexkursionen mit ungewohnten Eindrücken
Dort  befindet sich die Milchziegenfarm von Herrn Meekma. Als Sohn eines Bankdirektors aus der Stadt trifft  Herr Meekma vor 15 Jahren eine etwas ungewöhnliche Entscheidung. Er möchte als selbstständiger landwirtschaftlicher Unternehmer Milch produzieren. Nach Abschluss der Ausbildung erwirbt er eine alte Hofstelle und legt los. Da das Milchquotensystem der EU ihm für Milchkühe erheblich höhere Investitionskosten bescherte, entschließt er sich für die quotenfreien Milchziegen.    Heute hält er 1000 Milchziegen mit eigener Nachzucht. Die Tiere hält er in Großgruppen aus Stroh und füttert sie teilautomatisch über Förderbänder. Das  Melken geschieht im Karussell zwei mal am Tag. Er versucht auch hochwertiges Zuchtvieh international zu vermarkten, allerdings liegt sein Schwerpunkt eindeutig in der Milchproduktion. Der Milchpreis unterliegt keiner Marktordnung, allerdings konnte die steigende Nachfrage nach Ziegenkäse in den vergangenen Jahren stabile Preise sichern. Herr Meekma verfügt über keine eigenen Flächen, er muss also auch das Grundfutter und das Streustroh  einkaufen, was in den letzten beiden Jahren zur Kostenexplosion geführt hat. Allein die Entsorgung des Stallmistes hat ihm im letzten Jahr einige 10.000 Euro beschert. Seine nächsten Investitionspläne liegen daher im Erwerb einiger Hektar Pachtland.        
Weiter ging es nach Enkhuizen , dem bekannten Seehafen aus dem „goldenen Zeitalter“ der holländischen Handelsherrschaft an der Suidersee gelegen.

Die Niederlande -  jahrhundertelanger Kampf gegen das Wasser
Heute liegt  der Hafen am Ejsselmeer, der gezähmten Suidersee und Windjammerkapitäne bitten Schulklassen und andere Touristen an Bord um mit ihnen einen Segeltörn zu unternehmen. Ein Hauptthema der Exkursion beinhaltet die Wasserregulierung und Neulandgewinnung der Niederlande. Immerhin liegen weit über die Hälfte des Festlandes einen Meter und mehr unter dem Meeresspiegel. Daher liegt es nahe, das Neulandmuseum in Lelystad zu besuchen.

Hier lässt sich der Kampf unserer Nachbarn gegen die immer wiederkehrenden Sturmfluten am eindruckvollsten nachempfinden, Zerstörung von Hab und Gut, Hungersnöte und Familientragödien lassen dem Besucher kalte Schauer über den Rücken laufen. Erst als der Abschlussdeich im Norden nach den Plänen des Ingenieurs Cornelius Lely  im Jahre 1932 die Nordsee von der Suidersee trennt kehrt Ruhe ein. Neben der gebändigten Gefahr des Wassers entsteht eine neue Provinz, Flevoland. Nach der Trockenlegung weiter Landesteile entstehen die neuen Polder mit den fruchtbarsten Ackerböden Europas. Landwirtschaftsschule und Fachhochschule unter einem Dach.


In Leeuwarden besuchten wir unsere Partnerschule, die AOC – Friesland. 1500 Agrarschüler lernen unter einem Dach mit 3500 Fachhochschülern. Auf den Parkplätzen standen auch einige Pkws mit bundesdeutschen Kennzeichen, zahlreiche Lehrveranstaltungen werden an der Fachhochschule in englischer Sprache angeboten. Nach Besichtigung des Lebensmittelkonzerns  „Friesland Food“ und einer Stadtführung durch die Altstadt Leeuwardens wird es spannend, die Betriebsleiter kommen zur AOC und nehmen ihre Praktikanten persönlich in Empfang.

Praktikum bei Gastbetrieben mit Familienanschluss
Jeder Schüler kommt auf den Betrieb einer Gastfamilie  und lebt und arbeitet dort für vier Wochen. Schon im Vorfeld war diese Ungewissheit die größte Herausforderung: Kann ich mich verständigen?, gibt es dort Gleichaltrige?, bin ich den Anforderungen bei der Arbeit gewachsen? oder muss ich nur die Drecksarbeit verrichten?, kann ich zwischendurch meine Klassenkameraden treffen? Für viele Teilnehmer waren diese Fragen so bedeutungsvoll, dass sie zeitweise viel lieber zu Haus geblieben wären. Aber um diese Chance zu nutzen wurden Eltern und Lehrer nicht müde, die Bedenken immer wieder zu diskutieren und Lösungen zu vereinbaren. So konnten die Praktikanten dank neuer Medien Tag und Nacht Kontakt zu Eltern und begleitenden Lehrkräften halten.

Auswertung des Projekts
Nach vier Wochen treffen sich Praktikanten, Lehrkräfte und niederländische Betriebsleiter in der AOC wieder um gemeinsam das Projekt zu reflektieren.  Auch Dr. Landmann von der Landwirtschaftskammer war eigens aus Echem angereist, um an der Evaluation teilzunehmen: Was ist gut gelaufen und was muss in Zukunft verbessert werden?  Für die Schüler bleibt unter dem Strich, dass es besser lief als erwartet. Die Arbeitsfelder waren breit gefächert, so mussten die Schüler im Stall beim Melken und der Tierversorgung helfen, Kartoffeln sortieren, Maschinen pflegen oder Touristen betreuen. Einige Schüler wären gern länger geblieben, andere haben mit ihren Gastfamilien fest vereinbart, den Kontakt zu halten. Na bitte!     
Joachim Meyer

 

 
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