Das Lernen lernen - Methodentage der Fachoberschule und der EFA in Ebstorf

Schule gilt vor allem als ein Ort, an dem junge Menschen Wissen erwerben und damit auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet werden sollen. Doch reines Faktenwissen allein genügt schon lange nicht mehr, um den Anforderungen der Arbeitswelt gerecht werden zu können. Vielmehr gewinnt die Fähigkeit, ein Problem selbständig und auch im Team auf einem möglichst effektiven Wege zu lösen, zunehmend an Bedeutung. Wissenerwerb bedeutet damit auch, Kenntnisse über Methoden und Arbeitstechniken zu erwerben, die eine solche problemlösende Arbeit erleichtern. Deshalb stand für drei Tage die Frage "Wie lerne ich effektiver?" im Mittelpunkt der Methodentage der Fachoberschulklassen und der Einjährigen Fachschule Agrarwirtschaft in Ebstorf. Schülerinnen  und Schüler übten unter Anleitung der Moderatoren drei Tage lang Arbeitstechniken für ein erfolgreiches aktives Lernen ein.

Das Lernen lernen
Die nächste Mathearbeit steht an, die englischen Vokabeln müssen gelernt werden und der Roman, der im Deutschunterricht besprochen werden soll, ist ganze 300 Seiten stark und soll nächste Woche gelesen sein. So, oder ähnlich erleben viele Schülerinnen und Schüler ihren Schulalltag. Eine Flut neuer Informationen aus den unterschiedlichsten Bereichen strömt tagtäglich auf sie ein und will bewältigt werden.
Am ersten Methodentag ging es deshalb um den einzelnen Schüler und die einzelne Schülerin und die Probleme, die einem effektiven Lernen möglicherweise im Wege stehen können.
Jeder von uns lernt anders, jeder hat unterschiedlich stark ausgeprägte "Empfangskanäle".  "Lerne ich Vokabeln besser, indem ich sie abschreibe, oder sollte ich sie vielleicht besser laut lesen, um sie zu behalten?"  Ein kleiner Test kann darüber erste Aufschlüsse geben. Die Kenntnis, zu welchem Lerntyp man gehört, erleichtert die Arbeit.
Aber was nutzt die Erkenntnis, dass man dem visuellen Lerntyp angehört, wenn man ohnehin keine Zeit zum Lernen hat, weil wichtige Arbeiten auf dem elterlichen Betrieb anliegen oder man jobben muss, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Alles eine Sache der systematischen Zeitplanung. Wer seine Woche, seinen Tag durchstruktiert, wird auch über genügend Zeit zum Lernen verfügen. Deshalb waren Anregungen, einen Wochen- und Tagesplan für sich selbst zu erarbeiten, ein weiteres wichtiges Thema an diesem Tag.
Nur wenn der Kopf frei ist, kann er Neues aufnehmen. Entspannung, mal durchatmen und sich Zeit für sich selbst nehmen, sind unabdingbare Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Kleine Übungen zu verschiedenen Entspannungstechniken rundeten deshalb den ersten Methodentag ab. Wer sich einmal auf eine Phantasiereise, "die preiswerteste Art Urlaub zu machen", begeben hat, hat möglicherweise einen Weg zu Tagträumereien gefunden, der einen erfrischt an den Schreibtisch zurückkehren lässt.
Joachim Meyer hatte das Konzept für diesen Tag entwickelt, an dem die Schülerinnen und Schüler an drei Stationen Bekanntes auffrischen und Neues entdecken konnten.
Ein Team werden
"Gruppenarbeit ist, wenn einer arbeitet und die anderen sich unterhalten." So lautet die oft geäußerte Meinung vieler Schülerinnen und Schüler. Dass das nicht so sein muss, bewies der zweite Methodentag. Aber auch hier muss man wissen, wie Gruppenarbeit zu organisieren ist, damit sich die Gruppe ihrer zentralen Aufgabe, der gemeinsamen Lösung eines gestellten Problems, widmen kann. Teamfähigkeit beschränkt sich dabei keineswegs auf schulische Aufgaben, sondern steht mittlerweile auf der Liste der erwünschten Fähigkeiten bei Bewerbungen um einen Arbeitsplatz mit an oberster Stelle.
Unter Anleitung von Henning Lüders, der diesen Tag geplant hatte, und den anderen Lehrkräften am Standort Ebstorf trainierten Schülerinnen und Schüler, wie die Arbeit im Team am besten gelingt. Unterschiedliche Verantwortlichkeiten in der Gruppe, wie der Regelwächter, der Zeitnehmer, der Verantwortliche für das Material und die Präsentation sorgen dafür, dass nicht egoistisch ein Einzelergebnis angestrebt, sondern das möglichst hohe Gesamtergebnis im Auge behalten wird.
Die abschließende Aufgabe an diesem Vormittag war es, eine "Stellenanzeige" für ein neues Gruppenmitglied zu entwerfen. Dabei kam es darauf an, Konsens über das Gruppenziel herzustellen und die erwünschten Eigenschaften für das neue Mitglied möglichst präzise zu formulieren und auf eine ansprechende Weise zu präsentieren.  "Wir sind als Gruppe sehr gut zusammengewachsen, sehen Teamarbeit mit anderen Augen und können hoffentlich viel davon für den Schulalltag nutzen.", so das Fazit von Rupert, Schüler der Fachoberschule, nach der Präsentation der Ergebnisse.

Informationen sammeln, gliedern, präsentieren
Im Internet recherchieren, die gesammelten Informationen in eine sinnvolle Ordnung bringen, eine Wandzeitung zur Präsentation der Ergebnisse anfertigen, richtig zitieren und noch vieles mehr, Anforderungen an Schülerinnen und Schüler, die häufig als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Viele Schülerinnen und Schüler fragen jedoch zurecht: "Wie geht das eigentlich?" oder sie behaupten von sich: "Das kann ich doch längst, googeln ist doch einfach!"
Am Beispiel aktueller internationaler Konflikte beschritten die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag den Weg von der ersten Information bis hin zur durchdachten Präsentation in Form einer Wandzeitung und eines Hand-Outs.
"Googeln ist einfach, besonders, wenn man weiß, wie es geht." war ein Fazit dieses Tages, als es darum ging, sich via Internet innerhalb eines begrenzten Zeitraums über einen Themen-bereich möglichst umfassend auf qualitätvollen Webseiten zu informieren. In einem zweiten Arbeitsschritt konnten und sollten die Schülerinnen und Schüler auf die Erkenntnisse des vorangegangenen Tages zurückgreifen und in Gruppen selbständig eine Gliederung für ihr Thema erarbeiten, die dann als Grundlage für den dritten Arbeitsschritt, die ebenfalls in Gruppen zu erstellende Präsentation, diente. Rasch wurde deutlich, dass ein bloßes Auflisten von Informationen nicht ausreicht, will man einen Leser, Betrachter oder Zuhörer über ein Thema informieren. Erst die richtige Auswahl und Strukturierung der Informationen und schließlich deren übersichtliche Anordnung versetzt den Leser, Betrachter oder Zuhörer in die Lage zu verstehen.

Diese drei Tage, an denen es ganz um das Thema richtiges Lernen ging, werden ganz sicher ihre positive Wirkung im Schulalltag entfalten, viele erneute Erklärungen zu Methoden und Arbeitstechniken überflüssig machen und nicht zuletzt auch den Zusammenhalt und den Teamgeist von Schülern und Lehrern am Standort Ebstorf stärken.
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